Erkenntnis in der Selbstaufstellung: es gut sein lassen…

Hier gebe ich euch ein Beispiel für ein kleines Ritual, das ihr für euch vielleicht ebenso nutzen könnt, wie mir das erst letzte Woche nützlich war.
Diese Vorgehensweise verdanke ich meinem Lehrtrainerkollegen Wolfram Jokisch am isb, mit der er uns alle einmal inspirierte. Vielmehr sorgte er dafür, dass wir uns die Inspiration im Selbst abholen konnten.
Die Intervention ist eigentlich ganz einfach und vielleicht gerade deshalb nicht leicht. Das eigene Erleben wird auch geprägt sein, durch unsere inneren Glaubenssätze, wie sowas abläuft oder „wirkt“, deshalb empfehle ich euch eine Übersetzung in euer eigenes Innenleben. Ich möchte den Ablauf so neutral wie möglich schildern, ausmalen dürft ihr ihn dann selbst.


Suche Dir zunächst einen ruhigen Raum. Die Selbstaufstellung braucht kein großes Brimborium, sondern einfach nur einen Raum mit etwas Stille und Fokus für Dich. Als Vater von 4 Kindern tritt das praktisch nicht ein, außer vielleicht im Badezimmer oder in der Toilette. Beide Räume sind dafür ausreichend 😉

Der erste Schritt ist, sich einmal hinzustellen (mit ca. 1 Meter Platz vor Dir) und sich ganz in das was sich ICH nennt hineinzuversetzen. Normalerweise ganz leicht. Das ICH sagt, wo’s lang geht, was wichtig ist, was ICH will oder brauche, oder was m-ICH nervt. Trotzdem geht es jetzt darum, das überhaupt mitzubekommen, was für das, was sich ICH nennt gerade wichtig oder wesentlich zu sein scheint. Gerade jetzt und hier auf dieser ersten Position.
Also eine Art, des s-ICH gewahr werdens. Sowas wie s-ICH beachten und zu wissen, was da so in einem vorgeht. Ja, der ganze Schlamassel von Gedanken, Gefühlen oder Körperwahrnehmungen.
Im Unterschied dazu ist das Selbst ja etwas ganz anderes: Manche bezeichnen es als der unbewusste Anteil der Seele, viele sind sich in dem einig, dass unser Selbst der Teil unserer wahren Identität ist und immer sehr genau die Antwort auf die Frage kennt: „Wer bin ich?“ Es kommt dann lediglich darauf an, einen guten Kontakt zu einem seelischen Anteil herzustellen, der nicht direkt ins kognitive Bewusstsein gehoben werden kann, da er nicht den Kategorien „richtig“ oder „falsch“ gehorcht, sondern eher „stimmt“ (im Sinne von passt zu mir) oder „stimmt nicht“ (im Sinne von passt eher nicht zu mir). Etwas in sich, das man also eher erleben kann oder erfahren, als sich ausdenken und das viel mit der eigenen Entwicklungsgeschichte zu tun hat. Viele Menschen erleben ihr Selbst in der Suche nach Antworten auf die Frage: „Was erscheint mir wirklich sinnvoll?“ Das wird wahrscheinlich öfter mal anders beantwortet als die Frage: „Was will ich?“
Und wieder andere denken, dass es da ein höheres oder gar höchstes Selbst gibt, als eine spirituelle Form des Selbst, etwas, das über einen Menschen hinausgeht. Wer sich damit eingehender beschäftigen will, hier der Link zu Wikipedia: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Selbst&oldid=173938471

Mir ist das als Realist ja manchmal zu hoch – gebe ich zu. Mir würde es schon genügen, wenn ich mich SELBST ein wenig mehr mitbekommen würde. Aber eines ist auch klar, ich würde niemandem verbieten, sich an sein höheres Selbst auch mit dieser kleinen Übung zu wenden. Ich möchte das hier nur nicht propagieren. Und schon gar nicht als Norm vorgeben, als wäre es nur gelungen, wenn man die Antworten auf die kritischen Fragen dieser Welt gleich vom höchsten Selbst persönlich abholen muss, sonst gilt es nicht… Es sind nämlich manchmal eher die kleinen, feinen, leisen inneren Stimmen, denen es lohnt zuzuhören. Ob nun höheren Ursprungs oder nicht, ist mir manchmal ziemlich wurscht.
Nachdem Du deinem ICH im ersten Schritt gut zugehört hast, kannst Du den Schritt 2 entweder einfach so machen, oder Dich plagt eine Fragestellung, die Du dem Selbst transportieren willst. So oder so könnte die Antwort Dich überraschen.
Also nochmal kompakt:

Schritt 1: Sich sein ICH in seinem inneren Erleben vergegenwärtigen. Vielleicht wenn gewünscht eine Fragestellung an das Selbst ausdenken.

Schritt 2: Platzwechsel, d.h. gehe langsam einen Schritt nach vorne und drehe Dich um, so dass Du die Position an der Du an dein ICH angeschlossen betrachten kannst. Während Du den Schritt nach vorne gehst ist die innere Imagination, dass Du aus dem ICH heraus trittst, in dein Selbst und dein ICH ansiehst. Und dann einfach mal abwarten und nach inneren Antworten auf deine Frage oder nach Kommentaren lauschen. Das braucht einen Augenblick Zeit und die Bereitschaft, etwas von Dir SELBST mitzubekommen. Aber richtig Wollen kann nur das ICH. Es geht dann erst mal darum, nichts zu wollen, sondern einfach die Aufmerksamkeit nach Innen zu richten…

Schritt 3: Zurück in dein ICH. Welche Bedeutung gibt dieser Erfahrung dein ICH? Zustimmung („ich hab’s ja immer gewusst“) ? Aufwertung („Toll was da in mir schlummert“)? Abwertung („So ein Mumpitz, da ist doch nur Schwachsinn in mir“)? Werde Dir klar, wie dein ICH dazu beiträgt, die Welt in der Du lebst nicht nur zu bewerten, sondern sie durch Bewertungen und Urteile sogar zu gestalten. Das SELBST an sich wertet nicht und kann alles gleich-gültig sein lassen. Vielleicht ist es ja gerade deshalb so eine wichtige Balance- und Informationsquelle.

So, das war die relativ einfache Form. Es muss ja nicht immer die Familienaustellung sein, oder? Vielleicht noch meine Selbstoffenbarung am Ende, was mir mein Selbst für Ostern mitgegeben hat (meine innere Frage war: „Auf was kommt es jetzt an?“). Und das war auch sehr spannend, d.h. ich habe nicht mit einer solchen Antwort gerechnet.

Der innere Satz aus dem Selbst lautete:
„es gut sein lassen“
Und mein ICH hat sich dann hinterher an der Vieldeutigkeit des Satzes erfreut und mir erklärt:

ICH kann es gut sein lassen, oder
ich KANN es gut sein lassen, oder
ich kann ES GUT sein lassen, oder
ich kann es GUT SEIN lassen, oder
ich kann: es gut SEIN lassen, oder
ich kann: es gut sein LASSEN…

Jedenfalls erscheint mir dieser Satz in seiner Vieldeutigkeit in dieser Zeit um Ostern herum sehr stimmig und sorgt für viel innere und äußere Gelassenheit und gelegentliches Schmunzeln…

Also erst einmal danke an Wolfram und die Inspiration und danke an die „Quelle“ dieser und anderer Methodiken. Der Urheber heisst Siegfried Essen und hat ein wundervolles Lehrbuch geschrieben: Selbstliebe als Lebenskunst: Ein systemisch-spiritueller Übungsweg
Für alle, die noch eine Osterinspiration brauchen…

Selbstliebe als Lebenskunst: Ein systemisch-spiritueller Übungsweg

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