Vor einigen Jahren habe ich einen Artikel zum Thema „Führung durch das Leben“ geschrieben. Ich verstehe diese Worte in zwei Bedeutungen: Einerseits geht es darum, das Leben zu führen, aber auch anzuerkennen, dass das Leben einen führt. Für mich ist seither die Erkenntnis, dass sich diese beiden Pole auf die Lebensführung nicht gegenseitig ausschließen müssen, sondern dass auch beides sein kann und darf. Lediglich die Dosis des einen und des anderen haben wir selbst nur beschränkt in der Hand. Ich erlebe in meinen Rollen und auch im eigenen Reifungsprozess immer wieder Grenzen und Hürden. Wahrscheinlich bin ich selbst einer von der Sorte, der eigene Begrenzungen nicht akzeptiert und immer wieder Grenzen verschiebt. Aber um gesundheitliche Themen, die Notwendigkeit von Ausgleich und Balance oder familiäre Anforderungen als Vater von vier Kindern und Partner meiner Ehefrau, komme ich nicht herum. In den letzten Jahren wird Achtsamkeit mit mir und meinen Möglichkeiten immer wichtiger. Und seit einiger Zeit bemerke ich beim Überschreiten der Lebensmitte noch einen ganz anderen Rhythmus im Leben als Führen und Geführt (oder manchmal auch konfrontiert) werden: Die eigene Wandlung, die sich vollzieht. Schön ist, dass auch der Lebens-Wandel als Begriff mit doppelter Bedeutung gesehen werden kann. Wenngleich auch in einem viel längeren Zeitraum oder Rhythmus. Erstaunlich auch, dass ich für diese tiefe innere Erkenntnis erstmal 49 Jahre alt werden musste.

Einerseits bedeutet Lebenswandel ja die Art und Weise das eigene Leben zu führen (da die Überlappung mit Führung durch das Leben). Andererseits bedeutet Lebens-Wandel die Veränderung in der eigenen Lebensführung. Manchmal schleichend und evolutionär, so dass es aus meiner eigenen Perspektive kaum sichtbar wird, dass ich ein anderer geworden bin. Manchmal – durch kritische Lebensereignisse und deutliche Einschnitte eher revolutionäre Veränderungen, die einen nicht mehr so leben lassen wir zuvor. Spannend finde ich, dass äußere und innere Veränderungen nicht unbedingt Hand in Hand gehen.

Wenn ich morgens in den Spiegel sehe, dann sehe ich nicht mehr den jungen Mann mit Elan und Idealen und Lebensmut, der ich früher wahr, den ich aber innerlich immer noch spüre. In letzter Zeit spüre ich dafür  immer stärker den „neuen“, reifen Mann. Mit all der Berufs-, Management-, Beratungs- aber auch Lebenserfahrung. Das äußere Alter kommt nach und nach, das innere in Sprüngen… Und der Lebenswandel verändert sich dann in einem anderen Rhythmus, für den ich gerade erst glaube ein Gefühl zu bekommen.

Es ist spannend, den langsameren Rhythmus des Lebenswandels zu entdecken, statt der schnellen Lebensführung, denn ich habe das Gefühl bei aller Schnelllebigkeit der heutigen Zeit gibt es da noch eine andere Welle, direkt in mir – und nicht mit äußeren Zeichen verknüpft. Aber mit einer neuen inneren Kraft zur Wandlung verbunden. Ich spüre wie eine neue Kraft erwacht, die mit dem jugendlichen Sprüchen nichts zu tun hat, sondern mit meinem Sein der letzten Jahre. Bin gespannt wo das hin führt…

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