Sich selbst in seiner Organisation verstehen und optimieren durch Rollendialoge

Immer wieder begegne ich Menschen, die eine gewisse Organisations-verdrossenheit an den Tag legen. Sie sagen, dass Organisationen in unseren Zeiten entmenschlicht seien. Sie fühlen sich so, als ob sie als ganzer Mensch keinen wirklichen Platz haben, aber es wird mehr als der ganze Mensch darin jeden Tag von ihnen verlangt. Sogar Organisationsexperten wie Rudi Wimmer benutzen den Fachausdruck „Entgrenzung“. Nach dieser Betrachtungsweise sorgen vor allem die „neuen“ Kommunikationsmedien und Endgeräte dafür, dass Menschen quasi 24h erreichbar und für die Organisation verfügbar sein können und sich damit dann mehr als nur verpflichtet fühlen. Einige meiner Coachingklienten kommen zu mir mit ähnlichen Erlebnissen: Die übermächtige Organisation lässt vermeintlich keinen Platz mehr zum Atmen. Das Gefühl stellt sich ein „ich bin nur noch ein Rädchen im Getriebe…“. Wie es dann weiter gehen kann lesen Sie hier…

Zunächst einmal möchte ich eine andere Sicht auf Organisation geben. Das heisst nicht, dass ich damit die Erlebnisse der Menschen in Organisationen entwerten möchte. Ich habe selbst erlebt, wie es sich von innen anfühlt, immer weniger Gestaltungsspielraum bei immer mehr Pflicht und Effizienzdruck zu erleben. Fatal wird das Ganze erst, wenn sich eine innere Erkenntnis breit zu machen scheint:

„ICH würde ja gerne anders, aber ES geht nicht.“

Damit wird die innere Hilflosigkeit so richtig programmiert. Jeder Tag wird damit zum Überlebenskampf für die sauer verdienten Kröten. Um was? Die Familie damit zu ernähren? Vor den Nachbarn gut da zu stehen? Das Haus oder die Wohnung abzubezahlen? Mit jedem Tag steigert sich dann die Verharrungstendenz ohne selbst etwas zu ändern. Ja, man könnte noch etwas mehr Dienst nach Vorschrift machen, bis es einer merkt oder am besten so, dass es keiner merkt. Ich denke: Wer so arbeitet kann das eine ganze Weile lang durchhalten. Vielleicht sogar bis zur Rente. Gelegentlich eine Auszeit durch Krankheit oder noch besser eine Kur nach etlichen Dienstjahren, dann geht es schon wieder. Burnout oder Boreout. Zu viel oder zu langweilig. Wie wäre es eigentlich mit: Genau richtig!

Jetzt die andere Sicht auf Organisation:  Ich finde es wichtig, sich immer wieder klar zu machen, dass Organisationen auch heute noch von Menschen gemacht sind. Ja, durch Automatisierung, Prozessoptimierung, Rationalisierung und Kostendruck und die Einführung von Computern, Email, Intranet usw. hat sich vieles verändert. Die Arbeitswelt hat sich dadurch rapide verschnellert, vielleicht zu Lasten von Tiefe. Weil alles schnell gehen muss kann man nichts mehr so tief bearbeiten wie das früher einmal war. Und noch einmal: Organisationen sind auch heute noch von Menschen gemacht. Damit gibt es mehr Gestaltungsmöglichkeiten, die vor allem im Dialog mit Verantwortlichen, Kollegen und Vorgesetzten liegen. Und wenn ein Unternehmenslenker die Worte in den Mund nimmt: „Der Markt fordert von uns, dass wir schneller, flacher, flexibler usw. handeln“ dann übernimmt er leider nicht die notwendige Verantwortung für die Gestaltung seiner Organisation. Im Prinzip sagt er dann auch nichts anderes als:

„ICH würde ja gerne anders, aber ES geht nicht.“

Ja, wer von außen kommt hat leicht reden – könnte ich mir durchaus vorwerfen lassen. Ja und nein kann ich dazu sagen. Meine Aufgabe als Berater von Menschen in Organisationen ist es, sie wieder in die Gestaltung ihrer Organisation einzuladen und Spielräume aufzuzeigen. Die erste Wahl, die jeder Mensch in Organisationen hat ist, sich selbst ernst zu nehmen und Verantwortung für sich und sein Handeln zu übernehmen. Die nächste Frage wäre dann:

Wie wäre für mich Organisation gut,

damit ich produktiv,
mit Lust,
möglichst oft im Flow,
mein Wissen optimal einsetzend,
für meine Kollegen und Kunden wertvolle Beiträge liefernd,
<Fügen Sie hier gerne ihre Kriterien ein:>

arbeiten kann?

Um diese Frage gut zu beantworten, ist es vor allem förderlich, sich ein optimal gelungenes Berufsleben vorzustellen. Es soll Menschen geben, die sich erst einmal Entlastung wünschen und das Gefühl haben, sie können nie mehr produktiv, mit Lust, möglichst oft im Flow usw. arbeiten. Das ist allerdings die Grundvoraussetzung um etwas zu ändern: Die Vorstellung, wie ein für sich optimal gelungenes Berufsleben aussehen könnte.
Vielleicht haben sie ja noch diese nachösterliche Woche frei? Es ist doch jetzt im Frühjahr sowieso an der Zeit sich von einigem Ballast zu trennen. Wie wäre es, sich von dem tonnenschweren Ballast zu trennen, der lautet: „Ich kann sowieso nichts ändern und muss es nehmen wie es kommt…“
Statt dessen könnten Sie sich einmal der Vorstellung des gelungen Berufslebens hin geben. Besonders als Deutsche haben dabei besondere Fähigkeiten entwickelt:

Es sich richtig schwer machen mit inneren Vergleich und der „ja-aber-Strategie“:

Da gibt es in vielen von uns die innere Stimme, die einem sagt, wie bestimmte Dinge einfach sein müssen und ständig Vergleiche anstellt.
Wieso sollte ein Arbeitsplatz schön gestaltet sein? Es handelt sich doch um Arbeit und nicht um Wohnen im Wohnzimmer.
Wieso sollte man 2 Stunden pro Tag in aller Stille arbeiten dürfen? Man muss doch erreichbar sein für die Kollegen und Kunden?
Ja, aber ich kann doch nicht mein privates iPad zur Arbeit mitbringen (obwohl ich viel mehr Spass daran habe damit zu arbeiten).

Und so weiter und so fort…

Diese Stimmen kann und sollte man nicht einfach eliminieren, aber es lohnt sich die inneren Kommentare mal eine Zeit lang als solche auszuhalten. Kennen Sie noch die zwei Alten aus der Muppet Show: Statler und Waldorf? Die das Geschehen auf der Bühne kommentierten? Ungefähr so kann man sich diese innere Stimme vorstellen. Hier eine kleine Kostprobe zur Erinnerung:

https://www.youtube.com/watch?v=gyPNRNTSbmo

Wir wissen meistens sehr gut wie ein gelungenes Berufsleben aussehen würde.

Der nächste Schritt ist dann der Rollendialog in der Organisation.

Wie kann ich mit meiner Vorstellung von einem gelungen Berufsleben auf eine für mich stimmigere Art z.B. ein Manager / eine Führungskraft sein? Wie kann ich auf eine für mich stimmigere Art ein Experte sein? Vergessen Sie nicht: Organisationen sind von Menschen gemacht. Es wird aus meiner Sicht viel zu wenig darüber gesprochen, wie jemand auf eine bessere und effektivere Art seine Rolle in der Organisation ausfüllen kann. Häufig stellt sich vordergründig eher die Frage, die Rolle zu wechseln oder die Organisation zu verlassen. Damit wird leider viel zu schnell und unternehmerisch unsinnig gehandelt. Und: Für den Betroffenen stellt sich die Frage dann in der möglicherweise neuen Rolle oder neuen Organisation oft nach einiger Zeit erneut. Wenn diese Fragen nicht beantwortet werden, kommen sie oft zurück.

Manchmal können solche Fragen nicht mehr alleine beantwortet werden. Gerade dann, wenn unbewusste innere Konflikte den Blick auf das gelungene Berufsleben verstellen oder in der Organisation sich so vieles verändert hat, dass eine Identifikation nicht mehr möglich scheint. Für solche Fragestellungen bietet sich eine innere Neuausrichtung an, wie z.B. in meinen Selbsterfahrungsseminaren:

http://www.system-worx.de/institut/seminare/selbsterfahrung-person-und-organisation.html

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