Innenschau statt Tagesschau – Lieber Umschalten statt Abschalten zwischen den Jahren

Aus den Mündern vieler Zeitgenossen habe ich in den letzten Wochen sinngemäß gehört: „Ah, endlich Weihnachten, endlich Zeit zum Abschalten!“ Und wenn man dann fragt, was sich hinter dem „Abschalten“ verbirgt kommt wirklich merkwürdiges zu Tage. Es klingt so, also wollen sie ihre eigene Selbststeuerung an den Nagel hängen. Endlich mal „tun was man will.“ Ich finde das wirklich bedauerlich, wenn jemand während des restlichen Jahres nicht wirklich tut was er will. „Ja“ werden sie sagen, „so ist das ja nicht gemeint!“ Ja wie ist es denn gemeint? Endlich hemmungslos die Glotze bedienen? Oder sich mal so richtig satt essen (fast so als würden wir sonst Hunger leiden…)? Oder mal so richtig das Leben genießen? Warum das sogar gefährlich ist, lesen Sie in diesem Blog und mal eine Anleitung für ein etwas anderes Vorhaben zwischen den Jahren…

Für viele beginnt jetzt die Zeit in der alte Rituale die Steuerung übernehmen. Da läuft Weihnachten nicht selbst- sondern fremdgesteuert ab. Zwischen den Mahlzeiten wird die unendliche Geschenkwelle abgearbeitet und das alles dann in kindlicher Manier so lange benutzt bis sich fast so etwas wie Langeweile einstellt. Ja, dann hilft die Glotze weiter: Endlich kommen so viele Filme auf allen Sendern – mit und ohne Werbung. Endlich mal die Zügel der Selbststeuerung schleifen lassen… Das ist nicht nur bedauerliche Verschwendung von Lebenszeit, das ist sogar gefährlich. Der selbe alte Trott gefährdet Beziehungen und ist auch irgendwie nicht so günstig für Herz, Kreislauf und Verdauungsorgane. Nicht „O-Du-Fröhliche“, sondern „O-Du-Tödliche“ wie im Spiegel schon 2011 zu lesen war: http://www.spiegel.de/fotostrecke/statistik-analyse-toedliche-weihnachten-fotostrecke-76612.html

Ich will ja Weihnachten gar nicht abschaffen, sondern Sie da draußen zum Nachdenken bringen! Viele von uns geben vor Weihnachten körperlich und seelisch alles, dass das „Fest“ gut (und automatisch) ablaufen kann. Wenn der Körper sich dann endlich mal so richtig entspannen kann und das Fett von der Weihnachtsgans besser mit Obstler nach dem Wein und Espresso verdaut werden will, dann ist das alles ganz schön anstrengend. Ich bin selbst schon oft auf Weihnachten hereingefallen. Mir ging es dann oft so, dass diese „schönen freien Tage“ wie im Fluge vergangen sind und man hinterher das Gefühl hatte, man würde noch viel mehr Freizeit brauchen. Aber die Verfügbarkeit von „freier“ Zeit ist nicht das Problem. Es ist die Art und Weise die Zeit zu nutzen.

Deshalb schlage ich Ihnen mal was anderes vor: Wie wäre es mit dem, was z.B. im Christentum eigentlich zu Weihnachten und der Adventszeit gehört: Die sogenannte „stille Zeit“ war schon seit je her eine Gelegenheit zur Muße und zur Innenschau. Wir haben das alles vielleicht nicht gelernt, dann wird es Zeit für neue Rituale. Wie wäre es damit: Lieber Umschalten, statt Abschalten. Vielleicht war unter dem Weihnachtsbaum ein besonderes Geschenk in Form eines Tagebuches. Und wenn es nicht dabei war, dann tun es ein paar leere A4 Blätter auch. Nutzen Sie die Zeit um in den nächsten Tagen nach Innen zu blicken. Wenn Ihnen nichts einfällt, dann schlage ich Ihnen vor, dass Sie jeden Tag einmal eine halbe Stunde mit Schreiben verbringen. Über was könnte man Schreiben? Hier ein paar Ideen:

Ein persönlicher Jahresrückblick. Schreiben Sie vor allem über ihre Erfolge! Wo war ich im letzten Jahr erfolgreich und meinen Träumen ganz nahe?

Eine Möglichkeit wäre auch, sich einen Brief an sich selbst zu schreiben (ich habe mittlerweile eine ganze Sammlung dieser Briefe) der ihre Wünsche für das kommende Jahr enthält. Schreiben Sie so, als hätten Sie alles was Sie sich von Herzen wünschen erreicht.

Schreiben Sie an einen Verstorbenen (z.B. ihren Eltern oder ihren Großeltern) über ihr momentanes Leben.

Schreiben Sie, was Sie ihren Kindern unbedingt beibringen möchten…

Ich wäre neugierig zu erfahren, über was Sie so in ihr Tagebuch schreiben…

Machen Sie etwas aus der Zeit mit sich und ihrer Familie und ihren Freunden. Wie Menschen leiden leider unter zwei Designfehlern:

1. Wir überschätzen unsere kurzfristigen Möglichkeiten. Wer schon mal in einem Monat 10 Kilo abnehmen wollte und das wie ich nicht geschafft hat weiß von was ich spreche

2. Wir unterschätzen unsere langfristigen Möglichkeiten. Lieber als Festangestellter die vermeintliche Sicherheit mitnehmen und sich nicht selbständig machen. Und ja: Das ist eine Menge Arbeit! Vielleicht wirklich mehr als in der Angestellten-Rolle. Aber deutlich selbstbestimmter. Und: Vielleicht wird man nach Jahren der Selbständigkeit auch bequem: Warum sollte ich noch mehr international arbeiten, wenn man um die Ecke auch gut leben kann. Prüfen Sie ihre langfristigen Ziele und arbeiten Sie an positiven Zielvorstellungen, die sie wirklich motivieren. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wie einer dieser Motivationstrainer anhöre. Das merkwürdige ist: Es ist wirklich etwas dran. Vielleicht haben ihre Zielvorstellungen auch einen Platz in ihrem Tagebuch…

Frohe und besinnliche Weihnachten wünsche ich…

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