Nachruf auf meinen Kollegen und Freund Matthias Vött

Besonders drastisch wird die Bedeutung eines Menschen deutlich, wenn er plötzlich und dauerhaft fehlt. Deshalb schreibe ich einen Nachruf auf meinen Kollegen, Freund und Wegbegleiter hier in meinem systemischen Blog.
Ich habe mir nun einige Wochen überlegt, ob ich diesen Artikel veröffentlichen soll und habe mich heute dazu entschlossen, weil ich Matthias aus meiner Sicht dadurch würdigen möchte und auch anderen die Möglichkeit geben möchte, ihn zu würdigen. Zum Schreiben hat mich aber anderes motiviert. Es gab zwar andere, die ihn besser kannten, besser mit ihm befreundet waren, mehr Zeit mit ihm verbracht haben und, und, und. Trotzdem fehlt da einer. Vielen Menschen und auch mir.
Da war zunächst der Schock: Ein Anruf am späten Abend von seinem besten Freund im Auftrag seiner Frau. Und dann die unfassbare Nachricht von seinem Tod. Beim Tauchen ist er gestorben, wahrscheinlich ein körperliches Problem, aber keine Fremdeinwirkung. Immerhin bei seinem liebsten Hobby, das ihm so sehr ein Ausgleich war.
Dann die Gedanken und auch die Bezüge zu mir selbst: Matthias ist ein Jahr jünger als ich, wir kannten uns schon von der Uni, von den Abenden im Studentenwohnheim, seine Frau hat in meinem Jahrgang in Tübingen studiert. Immer mal wieder begegneten wir uns. Dann als Dienstleister beim selben Kunden waren wir als Kollegen in der Führungskräfteentwicklung tätig. Zuletzt durften wir letztes Jahr in Kopenhagen zusammen eine Gruppe internationaler Manager ausbilden. Er hat wie ich vier Kinder.
Dann innerhalb weniger Tage die Trauerfeier, die die End-Gültigkeit dessen was da passiert ist untermauert. Und ich sehe, wie vielen Menschen er etwas bedeutet hat in seinen Rollen. Wie er auch als Mensch immer wieder sichtbar wurde. Wir sagen: „Per-sonare“ bedeutet „Durchtönen“, also das, was von einem Menschen sicht- und hörbar wird. Wenn man den, der da in seinem Körper drin steckt auch wirklich zu spüren bekommt. Und ich hörte ebenfalls von einem Freund sein Leben nacherzählt. Und da war es so, als ob er noch einmal lebendig würde. Die Leidenschaft war eines seiner prägnantesten Eigenschaften. Leidenschaft für Menschen und für seinen Beruf, der ja viel mit Menschen zu tun hatte. Was ich der Predigt gerne hinzufügen würde: Ich finde Matthias hat das Berufsfeld geprägt und stand für mich für moderne Konzepte und Didaktiken in der Führungskräfteentwicklung und Organisationsentwicklung. Und zwar mit Überzeugung und Herzblut. Ich glaube Matthias war in vielem Überzeugungstäter, was sicher auch viel Kraft gekostet hat.
Ja, und durch die Phase der Reue ging ich innerlich, wie wohl viele, die sich in Tübingen auf dem Friedhof eingefunden haben.
Ich wünsche mir bis heute mehr Zeit mit ihm, die wir zu echter und tiefgründiger Begegnung nutzen würden. Damals in Kopenhagen ist uns das gelungen. Kein Schaulaufen, wer der bessere Berater oder Führungskräfteentwickler ist, sondern echte Zusammenarbeit und freundschaftlicher Austausch im gegenseitigem Vertrauen. Das Leben einmal kurz anhalten und sich dem anderen vollkommen zumuten. Für diese drei Abende bin ich Dir bis heute dankbar. Seither wieder jeder in seinen Welten und wir alle haben viel zu tun.
Es kann jeder aus dem Ableben von Menschen mit Bedeutung unterschiedliches Lernen. Mir ist dadurch wieder deutlich geworden, dass mir Wesentliches wichtiger ist als Oberflächliches und ich möchte das in meine Lebenspraxis wieder mehr integrieren. In seinem Andenken.

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