Twin Star – Wie die Geburt meiner Kinder mein Leben verändert

Direkt an Ostersonntag sind sie geboren: Die beiden neuen Sterne in meinem familiären Universum. Und ihre Ankunft hat sich 9 Monate lang angekündigt und war zuletzt einfach nicht mehr zu übersehen. Und wie es sich so mit der Geburt von Sternen auf sich hat, sind sie mit einem kräftigen Urknall ins Leben getreten…

Ich halte mich für einen zielstrebigen und einigermaßen gut organisierten Menschen. Die Veränderungen durch die Geburt sind aber durch ein noch so präventives „Change Management“ alleine nicht zu handeln. Beruflich beschäftige ich mich Zeit meines professionellen Lebens mit Veränderungen. In der Regel geht es in meinen Kundenorganisationen darum, dass ein meist nicht erwünschter Ausgangszustand endet und ein erwünschter zukünftiger Zustand erreicht wird. Dazwischen gilt es durch beraterisches Geschick und verantwortliches Handeln von Führungskräften oder anderen Rollenträgern allerlei Widerstände zu überwinden, um sich in einem Zustand meist von gewünschter Performanz wiederzufinden.

Hier war es ganz anders. Der erwünschte Zustand war leicht definiert: Wir wollten noch ein Kind. Am liebsten noch ein Mädchen. Es gibt so einen schönen Spruch: Der Mensch denkt & plant und Gott lacht darüber im Himmel. Denn geschenkt bekamen wir: Zwei Jungs. Und ganz ehrlich: Ich möchte sie auf keinen Fall eintauschen. Sie waren noch nicht auf der Welt, da waren sie schon ein Geschenk.     Liebe ist auch ein Lernprozess. Und dieser Lernprozess ist sehr aufschlussreich, und ja: Natürlich auch unheimlich anstrengend. Die Veränderung hat sich also langsam angebahnt. Und auf einmal geht dann alles einfach gefühlt ganz schnell – in der Situation der Geburt und der Wehen auch irgendwie ganz langsam. Der mehr oder weniger gewünschte zukünftige Zustand trat relativ rasch ein. An dieser Stelle ein herzlicher öffentlicher Dank an alle Helfer und Unterstützer des medizinischen Hilfesystems. Wir haben Effizienz einerseits, und andererseits eine enorme Empathie und Menschlichkeit kennenlernen dürfen. Es wird viel geschrieben und geschimpft über unser „Krankheitssystem“. Ich bin sehr froh, dass es so gut funktioniert hat und alle Beteiligten einigermaßen koordiniert Hand in Hand miteinander arbeiteten. Auch hier wurde mir wieder deutlich, wie wichtig gute Kommunikation ist. Die kann und sollte man übrigens nicht einer Wanderakte (genannt Mutterpass) überlassen. Das ist aber ein anderes Thema. Und dann waren Sie da, die zwei. Und seither sind wir dabei, uns aneinander zu gewöhnen. Diese Art des kontinuierlichen aneinander Maßnehmens und Abstimmens von Verhalten wird uns die nächsten Jahre bleiben. Die Veränderung hat eben nicht mit der Geburt begonnen, sondern der tägliche, kontinuierliche Prozess des sich miteinander Veränderns wurde eingeleitet. Wie in Organisationen eben auch: Der Big Bang ist nicht wirklich die bewältigte Veränderung: Die eigentliche Veränderungsarbeit beginnt dann erst. Als bekennender Lebensunternehmer bedeutet das eine massive Änderung der Perspektiven. Meine Lieblingsfragen: „Wer bin ich heute, und was kann ich mit den mir zur Verfügung stehenden Ressourcen bewegen?“ beantworte ich seit einer Woche deutlich anders: Heute bin ich vor allem Vater und unterstützender Ehemann und versuche allen in guter Art und Weise durch den Tag zu helfen. Da gibt es viel zu organisieren und schlicht zu tun. Management by walking around? Höchstens zur Beruhigung eines kleinen Wesens. Um in der Metapher zu bleiben: Doppelsterne haben halt eine deutlich höhere Gravitation zur Folge als einzelne und ziehen alles mit mehr Kraft an sich, so dass sich alle mit höherer Geschwindigkeit darum drehen. Die Anziehungskraft ist aber deutlich über unser Familiensystem hinaus spürbar. Ich freue mich sehr darüber, jetzt besonders deutlich zu erkennen, wer sich mit uns verbunden zeigt. Der schöne systemische Spruch „it’s all connected“ – alles ist in irgendeiner Art verbunden, wird mir in diesen Tagen erlebbar.
Und da ich für mich selbst auch ein System darstelle, sind die Auswirkungen des Doppelsterns natürlich auch spürbar. An die 4 Stunden Nachtschlaf habe ich mich noch nicht ganz gewöhnt. Und das Phänomen der „Stilldemenz“ hat auch von mir an manchen Stellen Besitz ergriffen. 😉

Dazu hier ein lustiges YouTube-Video einer Poetry-Slammerin Kirsten Fuchs. Viel Spass damit:

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