Echte Kooperation braucht empathische Solidarität

Ich bin im inneren tief davon überzeugt, dass die Entwicklung der Menschheit in Zusammenspiel mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen (grob gesagt der Erde) insgesamt einen Systemzustand erzeugt hat, der eine längerfristigen Fortbestand aller Beteiligten nur ermöglicht, wenn wir lernen effektiv zusammen zu arbeiten. Angesichts des Fortbestandes vieler Kriege, politischer Konflikte, Umweltzerstörung und anderer negativen Auswirkungen scheinen wir noch weit entfernt von einem Zustand effektiver Kooperation zu sein. Und wer mal eine Zeit als Mitarbeiter in einem klassischen Großkonzern verbracht hat (immerhin 10 Jahre meiner Berufsbiographie), der entdeckt auch immer wieder erstaunliche Phänomene von Egoismen und Statusgehabe statt dem Willen, gemeinsame Ziele aus unterschiedlichen Rollen heraus zu verfolgen. Übrigens gibt es Statusgehabe in Hierarchien „oben“ (ich bin hier der Vorstand und alle meine Leibeigenen müssen machen was ich sage) genau so wie „unten“ (ich bin hier nur Mitarbeiter, zum Denken werden hier die Führungskräfte bezahlt)…
[Wikipedia] definiert Kooperation so: Das zweckgerichtete Zusammenwirken von Handlungen zweier oder mehrerer Lebewesen, Personen oder Systeme, in Arbeitsteilung, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.
Für mich ist das eine „äußerliche“ Definition, d.h. sie zeigt auf, was ein Beobachter von außen sehen könnte und suggeriert dadurch Allgemeingültigkeit oder Objektivität. Sicher kein schlechter Zugang, aber vielleicht auch nur die halbe Miete. Sie erklärt nur halbwegs, wie es zu Kooperation zwischen den Beteiligten kommt. Die Frage ist da nämlich: Wie kommt man überhaupt zu einem gemeinsamen Ziel? Wird es vorgegeben? Wird es erklärt? Hat jede(r) Beteiligte die Möglichkeit sich das zu Ziel für sich so zu übersetzen, dass es für ihn oder sie passt? Wie geht es jemandem mit der Verfolgung dieses Ziels? Ist das nur Mittel zum Zweck, damit der Lebensunterhalt gesichert ist? Verfolgt es einen höheren Sinn? Allein das sind schon entscheidende Fragen, die die Art der Kooperation enorm beeinflussen.
Auf was ich in diesem kurzen Artikel jedoch hinweisen möchte, das ist eine ganz andere Dimension der Kooperation. Das sind die „inneren“ Zustände, die dazu führen, dass ein „zweckgerichtetes Zusammenwirken“ von Handlungen überhaupt erst entstehen kann und sich auch im Laufe der Zeit selbst erhält.
Echte Kooperation entsteht nur durch empathische Solidarität. Der innere Impuls zum Zusammenwirken entsteht dann, wenn Beteiligte versuchen, den anderen in seinem Sein zu begreifen und zu verstehen. Das darf selbstverständlich nicht dazu führen, sich mit dem anderen zu verwechseln. Wer vor lauter Empathie die Bedürfnisse und Nöte des anderen für seine eigenen hält, der fällt in der Übertreibung auf der anderen Seite vom Pferd. Trotzdem, ohne ganzheitliches Verstehen geht es nicht. Und Solidarität zeigt sich dann in dem Akt der Zusammenarbeit aus einer Rolle heraus. d.h. es geht dabei darum, aus dem eigenen Verständnis des anderen heraus tätig zu werden (Handeln bedeutet manchmal auch, Dinge zu unterlassen). Handeln entsteht bei Solidarität in verstehender Verbundenheit zum anderen.
Jetzt mal ganz einfach: Es geht darum, den anderen zu verstehen, bevor man handelt. Verständnis gibt es leider nicht in der Bildzeitung oder im Intranet eines Unternehmens, sondern im Dialog. Ich wünsche euch allen heute einen Tag mit mehr solidarischem Handeln, das auf gegenseitigem Verstehen beruht…

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