Defokussierung und Corporate Wahnsinn

Jetzt war es längere Zeit still in meinem Blog. Aber nicht in meinem Kopf und um mich herum. Wie so viele war ich „beschäftigt“. Gefühlt sogar jede Minute meines Wachzustandes. Und was habe ich da getan? Ich habe mich konzentriert: Auf das was vor mir liegt, auf das was es zu gestalten gibt, auf die Menschen, die mich jeden Tag umgeben. Ich war damit beschäftigt mich zu fokussieren mit klaren Prioritäten und dabei hat der Blog etwas gelitten. Das ist eigentlich fast in jedem Herbst so, aber in diesem konnte ich nicht mal mehr mein selbst gewähltes Mindestmaß an dieser Art der Kommunikation mit der Außenwelt durchführen. Gefühlt war ich immer mehr damit beschäftigt zu überleben statt zu leben und das ist aus meiner Sicht eine falsche Richtung, ein grober Fehler. Für den Einzelnen genau so, wie für Familien und Organisationen…

Ganz ehrlich: Ich war auch und vor allem damit beschäftigt 90% meiner Kunden beim Überleben zu helfen. Wenn man es dann einigermaßen geschafft hat, kommt für viele erst mal Weihnachten und es geht in eine kollektive Erholungspause, vor allem wenn man den Weihnachtsstress auch noch überlebt hat. „Geschafft“ hat man das dann aber noch lange nicht, weil die Erholungspause an sich auch zum Überleben gehört und das Leben dann eigentlich erst wieder anfangen könnte. Und wenn das neue Jahr so weiter geht wie das alten, dann geht die Sache mit dem Überleben immer weiter – für viele bis zur Rente und vielleicht beginnt dann das Überleben bis zum Tod. Kein schöner, kein nützlicher, kein Zielzustand. Um mich müsst ihr euch keine Sorgen machen: Ich habe vor langer Zeit schon beschlossen mit dem Überleben aufzuhören und möglichst viel zu Leben und meine leidenschaftliche Arbeit gehört mit dazu wie mein intensives Privat- und Familienleben. Ich mache mir mehr Sorgen um meine Kunden und um die kollektive Bewegung, die aus meiner Sicht auch die Organisationen antreibt.

Ich treffe dort immer wieder auf Glaubenssysteme, die schon 1964 von Douglas McGregor in seiner X-Y Managementtheorie beschrieben wurden. Aus meiner Sicht hat er damals schon exzellente Arbeit bei der Erforschung von Wirklichkeitskonstruktionen betrieben. Kurz beschrieben geht die Theory X davon aus, dass der Mensch grundsätzlich unwillig ist und vor allem durch Belohnung und Bestrafung „angetrieben“ werden müsse. Die Theory Y geht davon aus, dass der Mensch grundsätzlich engagiert sei und von innen heraus grundsätzlich zu Eigeninitiative bereit ist. Das ganze könnt ihr hier z.B. bei Wikipedia nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/X-Y-Theorie

Es hat viele Generationen von Forschern beschäftigt und unter anderem hat McGregor selbst in seiner Z-Theorie beschrieben, dass der Mensch „je nach dem“ ist. Als Systemiker würde ich das so beschreiben: Grundsätzlich sind wir Menschen als „Empty Canvas“ zu vielen kulturellen Leistungen bereit, die vor allem durch die Umgebung – also den Kontext – definiert werden. Dazu gehört eben leider auch, dass es Umgebungen gibt in denen Eigeninitiative und Engagement nicht gewünscht sind, sondern nur noch Steuerung durch Belohnung und Bestrafung gilt.

Und was hat das jetzt mit Defokussierung zu tun? Wir Menschen (also auch ich) sind ständig damit beschäftigt herauszufinden, was Sinn macht. Und weil dies sowohl vom Kontext, als auch von der Haltung abhängt mit der ich diesem Kontext begegne, ist am Ende entscheidend auf was jeder einzelne und auch eine Arbeitsgemeinschaft fokussiert, weil der Fokus das Ergebnis definiert. Das heisst konkret: Wenn ich als Individuum mit überleben beschäftigt bin, werde ich am Ende auch (hoffentlich) genau das Ergebnis erhalten: Ich überlebe. Mehr aber auch nicht. Wenn ich davon ausgehe, dass Menschen unwillige Individuen sind, die nur durch äußeren Antrieb agieren, dann erhalte ich genau das: Unwillige Individuen, die durch äußeren Antrieb agieren. Die anderen, die schlauer waren sind dann schon längst weg oder in einer Art „Stealth“ Modus, in denen man ihnen das eigene Engagement nicht ansieht.

Eines ist auch klar. Manchmal hat man den Fokus anderer, auch den von Entscheidern nicht direkt im Griff. Aber den eigenen schon. Deshalb empfehle ich Dir gerade jetzt kurz vor Weihnachten: Fang wieder an zu Leben und hör auf mit dem Überleben. Es ist einfach der bessere Fokus…

Ich mache das mit guten Fokus wieder auch mehr und lasse mich hier über meinen Blog sehen. Was ich noch so mache? Ich bereite mich auch auf das neue private und Berufsjahr vor unter anderem auf den nächsten Durchlauf meiner Ausbildung „Systemische Organisationsentwicklung und Change Management kompakt“: Eine Ausbildung für alle, die schon systemisch ausgebildet sind, die aber schon immer intensiv den OE Ansatz des ISB kennenlernen wollten und damit auch in das ISB Netzwerk aufgenommen werden wollten. Mehr Informationen findet ihr dazu hier: http://www.systemische-professionalitaet.de/isbweb/content/view/567/530/

Dort gibt es gleich ein erstes Info-Video von mir und weiterführende Informationen.
Eine schöne Vorweihnachtszeit und kollegiale Grüße,
euer Markus Schwemmle

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