Mitteilen statt austeilen

Im Moment sitze ich im Zug auf der Rückfahrt von einem Dialogworkshop. Ich begleite eine Organisation schon mehrere Jahre. Seit letztem Jahr haben sich die Beteiligten vorgenommen, sich auf den Weg zu mehr Dialogkultur und Partizipation zu machen. Etwas, das viele aus der langen Vergangenheit nicht gewohnt waren. Heute konnten Sie von ihrem Vorhaben etwas ernten.

Ich bin nicht mehr erstaunt, weil ich den Effekt schon mehrfach kennenlernen durfte, aber einmal mehr gerührt, welche Entwicklung Menschen in ihren Systemen und die Systeme dadurch mit erfahren. Nur durch den mutigen Schritt der Führung, sich für ein solches Vorhaben zu öffnen und auch Zeit zu investieren, und auch die mutigen Schritte der Mitarbeiter, sich auf ein solches Vorhaben ebenfalls einzulassen und in den Dialog zu gehen haben die Organisation als ganzes weiter gebracht. Dabei ist ein wesentlicher Grundsatz, der heute ein Erfolgsfaktor war, den Umschwung zu schaffen vom Aus-teilen zum Mit-teilen (für die Wortinspiration danke ich sehr L.). Wenn ich meine noch kleinen Kinder so ansehe, dann muss man wahrscheinlich in seinem Leben auch mal Austeilen lernen. Aber erwachsen ist das nur, wenn man durch Austeilen den Übergriffen anderer Grenzen setzen kann. Und wenn daraus ein Muster wird, dann ist es Zeit daran etwas zu ändern oder im schlimmsten Fall den Kontext zu wechseln. Ich finde (und mit mir alle Anhänger der Generation Y), dass man sich heute längst nicht mehr alles auf Dauer bieten lassen muss. Es gibt natürlich viele gute Gründe eine Stelle oder gar die Organisation nicht zu verlassen, aber das Zutrauen, das Selbstbewusstsein einen besseren Kontext zu finden, teilen immer mehr Zeitgenossen. Und was man ändern kann, ist man wahrscheinlich zuerst immer selbst. Ein wenig Zutrauen darin, dass die erstmalige Investition des Vorbildes wirklich und tatsächlich Früchte tragen wird braucht es und dann wäre es schön, wenn nach dem Resonanzprinzip der Lohn am Ende tatsächlich zu einem zurück kommt. Aber es ist vielleicht einen Versuch wert: Hört auf, in den Meetings auszuteilen. Fangt an, euch mitzuteilen. Dazu gehört ein analytischer Blick auf Zahlen, Daten, Fakten genau so, wie die Betrachtung von Emotionen und Kultur. Wenn eine Organisation den Weg in Richtung „Mitteilungskultur“ geht, dann werden viele positive Effekte sichtbar werden. Vor allem werden dann schwierige Themen und Entscheidungen tatsächlich mitgetragen und die Wahrscheinlichkeit für Kränkungen aller Art sinkt deutlich. Damit auch die Anzahl der offen ausgetragenen Konflikte und das ist dann wieder sehr zeitökonomisch, weil die Klärungsschleifen wegfallen.

Allerdings: Eine Bedingung gibt es dafür: Wer weder austeilt, noch mitteilt hält sich raus und bedeckt. Damit steigert er die Wahrscheinlichkeit, dass andere wieder anfangen auszuteilen. Also es hängt schon ein wenig davon ab, ob es gelingt im Mitteilungsmodus zu bleiben.

Viel Erfolg beim Mitteilen statt beim Austeilen…

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