Erst einmal möchte ich mich bei euch, meinen treuen Bloglesern entschuldigen: Ich hatte tatsächlich so etwas wie eine Blogpause von 2 Monaten. Eigentlich veröffentliche ich mindestens jeden Monat einen Artikel, wenn’s gut läuft, sogar jede Woche. Ich könnte jetzt etwas von Kreativpause erzählen, aber das stimmt nicht. Es gab einfach viel und wahrscheinlich auch sehr Wichtiges zu tun. Allerdings zählt für mich das Argument „dringendes“ und „wichtiges“ nicht so wirklich. Ich bin eher ein Freund von „Competing Commitments“.
Die Idee, die hinter diesen „Competing Commitments“ steckt ist nicht ohne Wirkung. Es fängt mit dem Begriff „Commitment“ an. Ich bin sicher, dass sich unter meinen Lesern relativ viele Benutzer dieses Wortes tummeln (wie ich auch), die das ganze im „Neudeutsch“ fast selbstverständlich nutzen, ohne sich die Wortbedeutung klar zu machen. Ich habe mich selber dabei ertappt, wie ich in erster Linie von Commitment sprach, als ich die Leistungsversprechen anderer meinte – und eher weniger meine eigenen. Im Sinne von: „Ist ein anderer einem Thema oder einem Projekt gegenüber ausreichend commited oder nicht…“
Abgesehen davon, dass dies schreckliches Deutsch ist und ich selbst wahrscheinlich kein leuchtendes Musterbeispiel als Anwender der deutschen Sprache bin, so ist mir doch sehr bewusst, auf welche Weise meine Sprache mich verrät: Sprache und das was gemeint und ausgedrückt ist, schafft Realität. Wie wäre es also, sich mit der Bedeutung des Wortes „Commitment“ vertraut zu machen, und in Zukunft eine andere Bedeutung und die Auswirkungen dieser Bedeutung zu erleben? Bitte schön:
Commitment bedeutet erst einmal so viel wie (Selbst-)Verpflichtung. Das beinhaltet einen bewussten Akt, sich selbst klar zu machen, dass etwas sinnvoll und wichtig ist und damit auch eine bestimmte Priorität in der (Selbst-)Steuerung hat. Man könnte sich also selbst fragen, an welcher Stelle man sich einem Thema, einem Projekt, einem Menschen tatsächlich mit einem bewussten Versprechen verpflichtet hat.
Es bedeutet zweitens auch „Bindung“ und auch das finde ich interessant, weil in Bindung auch eine emotionale Komponente beinhaltet ist. Wenn eine Verpflichtung und ein Versprechen nicht eingehalten wird, dann entsteht so etwas wie Unzufriedenheit und zumindest eine Art Mangelgefühl oder gar Bewusstsein darüber, dass etwas fehlt. Besonders deutlich wird mir das in meinem eigenen Leben in den Commitments, die ich bewusst eingegangen bin: Bei der Hochzeit, die zur Ehe mit meiner lieben Frau führte und die Zeugung meiner Kinder, die zu einer unzerstörbaren Beziehung zu ihnen führte. Immer dann, wenn ich z.B. durch intensive Berufstätigkeit gefühlt zu wenig direkten Kontakt mit meiner Familie habe, dann entsteht dieses Mangelgefühl und ein innerer Ruf, der zunächst erst einmal meine Verbundenheit signalisiert und meistens zu eigenen Handlungen führt: Sich anzunähern, in Beziehung zu treten, wieder mehr zu geben statt zu nehmen, usw. Damit kommt für mich auch immer wieder gefühlt etwas ins Gleichgewicht, das auch ein emotional anzustrebender Zustand ist.
Der nächste Aspekt Bekenntnis beinhaltet für mich den Aspekt von guter Kommunikation. Ich kann anderen auch berichten oder sie in Kenntnis setzen, was oder wem ich mich verbunden und verpflichtet fühle. Sich zu bekennen bedeutet, sich wirklich für eine Position, Rolle oder Handlung einzusetzen und dies andere wissen zu lassen. Echtes Commitment hat also auch darüber zu tun, darüber in eindeutiger und klarer Weise zu sprechen.
Dann gibt es den Aspekt der „Überantwortung“. Das ist nicht so leicht zu erklären, da aus meiner Sicht das Wort wenig gebräuchlich ist. Eine synonyme Erklärung, die in mir viel Sinn erzeugt, ist die Idee, damit etwas anvertraut zu bekommen und alles zu tun um dieses (Selbst-)Vertrauen zu rechtfertigen. Ver-antwortung für etwas übernehmen hat ja auch den Aspekt der Autorisierung, also im besten Fall sich selbst etwas zu erlauben.
So ähnliche Gedanken könnten Dir also durch den Kopf gehen, wenn es bald um das Thema Commitment geht.
Nun zu den „Competing Commitments“. Als systemisch ausgebildeter Berater kommt mir sofort die Ähnlichkeit mit den Glaubenssätzen bzw. den aus der Psychologie bekannten „beliefs“ in den Sinn. Nur, dass ich ein Commitment wesentlich stärker finde. Ein sehr kluges Mittel der Selbstreflexion, insbesondere nachdem man sich beim Scheitern bei der Umsetzung eines guten Vorsatzes beobachten kann ist die Frage: „Welches verborgene Commitment erscheint stärker zu sein und hat den inneren Wettbewerb gewonnen?“
Diese Frage und die dazu passende Introspektion fördert in der Regel interessante Ergebnisse zu Tage. Auf jeden Fall wird einem bewusst, welche Selbstversprechen wirklich in einem am Werk sind. Dadurch ändert sich oft schon das ganze Spiel beim nächsten mal. Nachhelfen kann man da interventionstechnisch auch z.B. mit dem Mittel der Glaubenssatztransformation nach Virginia Satir. Und es hilft aus einem halbherzigen Commitment („ich sollte mehr Sport machen“) ein tragfähiges Selbstversprechen zu formulieren („ich sollte Bewegung in meinen Alltag gut integrieren“). In meinem Fall gilt das persönliche Commitment zu Publikationen und dem Schreiben von Blogs als Commitment „mich selbst und eine interessierte Öffentlichkeit mit interessanten Themen und nützlichen Konzepten mit Sinn zu inspirieren“. Das ist eben nicht nur gut für Dich, es ist auch gut für mich. Gute Arbeit beinhaltet für mich eben nicht nur, den Auftrag bestmöglich zu erfüllen, sondern auch an entscheidenden Stellen meiner Kreativität nachzugehen und etwas sinnvolles in die Welt zu bringen bzw. zu kreieren. Stay tuned auf diesem Kanal…

Inspiration fällt jedoch bei uns allen nicht vom Himmel. Die Quelle für das Konzept der Competing Commitments möchte ich an dieser Stelle gerne nennen. Ein hier zu Lande leider noch unbekanntes Buch (sorry, erst mal nur auf Englisch verfügbar) beschreibt die competing commitments und dazugehörige Interventionen und noch viel, viel mehr. Es heißt:
Immunity to Change: How to Overcome It and Unlock the Potential in Yourself and Your Organization (Leadership for the Common Good)

Es bietet einen inneren Veränderungsansatz, der natürlich im Veränderungsmanagement von Verantwortungsträgern und ganzen Organisationen gut angewandt werden kann und relativ gut wissenschaftlich untermauert ist. Mehr davon werde ich sicher auch in meinem Blog vorstellen.

Wer meinen Vortrag auf dem diesjährigen Symposium dazu ansehen will, dem sei hier der Link empfohlen:

http://blogs.system-worx.de/unternehmen/workshop-competing-commitments/

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