Übung macht den Meister

In meiner Arbeit als Berater geht es immer wieder darum, ganze Organisationen und auch Personen (in der Regel Führungskräfte zu qualifizieren). Die Erwartungen sind hoch, insbesondere an gute Fachkräfte, die zu Führungskräften werden. Sie sollen dann gleich das ganze Führungshandwerk beherrschen. Die Vorstellung ist, dass eine Ausbildung funktioniert wie Instant-Kaffee: Ein Löffel Pulver auflösen – und schon geht’s. Ab in ein Führungsseminar und schon klappt’s auch mit der Führung. Aber so funktioniert Lernen leider nicht. Mein Fahrlehrer sagte zu mir: Erfahrung kommt von Fahren. Und so ist es auch mit dem Lernen sozialer Fähigkeiten. Was hat das für Auswirkungen auf die Ausbildung von Führungskräften, Beratern und Coaches? Lesen Sie weiter…

Heute muss alles schnell gehen. „Speed Training“, „Training on the Job“, „Nano Training“ sind die Schlagworte, die versprechen, dass es keine aufwendigen Seminare mehr braucht, in denen man was lernt. Als Lehrtrainer am ISB und als Führungskräfteentwickler bin ich immer wieder erstaunt, wie wenig Zeit doch professionelle Berater, Organisations- und Personalentwickler und auch Führungskräfte sich mit Lernen beschäftigen. Diese Zeitsparwelle auch sogar das Aneignen von Theorie erfasst: Man liest am besten keine Fachbücher mehr, die sich intensiv mit einem Thema beschäftigen, sondern nur noch Zusammenfassungen. Ein Beispiel ist das Unternehmen GetAbstract. Es ist verlockend, sich nur noch auf die Essenz zu stürzen und alle Hinleitung, Überleitung und gute Beispiele zu vernachlässigen.

Mein Credo ist jedoch: Ausbildung braucht Zeit! Ein wichtiges Element von Ausbildung ist die Einübung von bestimmten Abläufen bis zur sicheren Beherrschung. Einer meiner Workshopteilnehmer war Karateka und erzählte mir eine bemerkenswerte Geschichte: Die japanischen Bauern, die Karate nutzten um den Samurai Rittern in Rüstung und zu Pferd etwas entgegen zu setzen mussten im Kampf extrem gut (also professionell) sein, denn sie hatten üblicherweise keine Gelegenheit für einen zweiten Schlag. Deshalb war das Training auch sehr hart und in höchstem Maße repetitiv. Die Annahme war, dass man eine Bewegung 1000 mal ausgeführt haben musste, um sie wirklich perfekt zu beherrschen. Zum Glück ist Beratung oder auch Führung normalerweise keine Kampfkunst und trotzdem gibt es einen Anspruch an Führungskräfte und Berater, dass sie wissen was sie tun. Ich bemerke, dass ich in fast jedem Seminarbaustein meine Teilnehmer dazu ermutige, in Peergroups Übungen selbstgesteuert durchzuführen. Ich bemerke auch, wie wenig dann letztendlich doch geübt wird. Ist Übung denn wirklich so aus der Mode?

Vielleicht ist aber auch die professionelle Anleitung und die Supervision wichtig. Übung ohne adäquate Rückkopplung zur Durchführung führt zu einer deutlich verlangsamten Professionalisierung und möglicherweise auch dazu, dass etwas falsch erlernt wird. Insofern gehört zum Lernen eine professionelle Lernkultur immer dazu.
Aus diesem Grund haben wir bei system worx eine neue Seminarreihe entworfen: Die Systemische Beratung Professionsgruppe. Wir möchten Professionellen die Möglichkeit zur konsequenten Übung von Beratungsinterventionen geben, damit diese auch in Variationen sicher beherrscht werden können. Wir wissen, dass Zeit heute ein wertvolles Gut ist, deshalb haben wir die Seminarzeiten so gestaltet, dass jeder monatliche Baustein Freitag nachmittags beginnt und den Samstag Vor- und Nachmittag nutzt. Wir bieten den Teilnehmern eine Auswahl von Interventionen zur Übung an. Unsere Referenten sind engagierte Berater aus dem system worx Partnerkreis, die ihr Handwerk verstehen.

Es handelt sich hier nicht um ein Curriculum im eigentlichen Sinne und ersetzt auch keine systemische Beratungsausbildung, sondern ergänzt diese oder bietet eine Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten wieder aufzufrischen. Deshalb ist auch ein Einstieg jederzeit monatlich möglich. Wir werden die Systemische Beratung Professionsgruppe in den nächsten Jahren durchgängig anbieten um eine Kontinuität zu gewährleisten.

Hier eine Übersicht über die Seminarbausteine der ersten Reihe:

Baustein 1       Auftragsklärung       10. – 11.10.2014
Baustein 2       Systemische Fragen I (lösungsorientierte Fragen) 07.-08.11.14
Baustein 3       Systemische Fragen II (zirkuläre Fragen)       05. – 06.12.2014
Baustein 4       Genogrammarbeit       16. – 17.01.2015
Baustein 5       Hypothetisierung/ Hypothesenbildung       06. – 07.02.2015
Baustein 6       Externalisierung       13. – 14.03.2015
Baustein 7       Umdeutung und Reframing       10. – 11.04.2015
Baustein 8       Arbeit mit Glaubenssätzen       08. – 09.05.2015
Baustein 9       Einfache Aufstellungen       19. – 20.06.2015
Baustein 10       Rituale       31.07. – 01.08. 2015

Eine detaillierte Beschreibung der Bausteine finden Sie hier.

Weitere Informationen zur Systemische Beratung Professionsgruppe finden Sie auf unserer Webseite unter http://www.system-worx.de/institut/seminare/systemische-beratung-professionsgruppe.html

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