Talent or Management?

Vor drei Wochen hatte ich ein wenig Urlaub und wenn ich schon mal Freizeit habe, dann lese ich schon mal gerne einen Krimi in englischer Sprache. Dabei stolperte ich über einen Satz, der mich zum Nachdenken brachte: Der Protagonist (= Bösewicht) begegnete einer Gruppe von Bösewichtern (das sind die besten Krimis) ohne direkten Kontakt. Aus der Ferne versucht er sie einzuschätzen und legt dabei eine interessante Dichotomie über das was er sieht: Ist jemand ein „Talent“ oder ist er Teil des „Managements“? Wo definieren Sie sich hin? Warum diese Einteilung heute in unseren Unternehmen zu finden ist und warum das aus meiner Sicht immer weniger Sinn macht lesen Sie in diesem Artikel…
Organisationen tun heute viel um den Zutritt zu den von manchen als Karriereturbo begehrten Führungsrollen zu regulieren. Meist führt ein mehrstufiges Auswahlverfahren dazu, dass man sich der Kaste der Führungsverantwortlichen zurechnen kann. So könnte man den Eindruck bekommen, dass man um überhaupt in eine verantwortliche Rolle zu kommen, sich schon sehr anstrengen müsse um die höheren Weihen zu erhalten.

In Organisationen häuft sich bei mir eine Beobachtung: Es gibt immer mehr Menschen, denen ich dort begegne, die sich so etwas einfach nicht antun wollen. Sie machen einfach gute Arbeit und verstehen sich blendend darauf, sich mit dem sogenannten Management so zu arrangieren, dass es beim Arbeiten nicht zu sehr stört und man dann wenn man ihn braucht seinen Urlaub genehmigt bekommt. Interessant ist, was passiert wenn sich verantwortungsbewusste Menschen sträuben, verantwortliche Rollen in den Organisationen anzustreben, vielleicht sogar bewusst Verantwortung bei anderen zu lassen und sich in der eigenen Mit-arbeiter-rolle einzurichten und nicht zu sehr zur Verantwortung gezogen zu werden. Ich kenne beide Arten dieser Phänomene. Stell Dir vor es gibt Verantwortung und es gibt Menschen, die sich partout nicht wollen. Das höhere Gehalt, der Dienstwagen und der Status sind für diese Personen keine ausreichende Motivation um den Preis für Führung zu bezahlen: Überstunden, unangenehme Situationen im Führungssandwich (die Mitarbeiter drücken von unten, die Führungspyramide von oben), Ansagen Menschen dazu zu bringen Dinge zu machen, die sie nicht tun wollen etc. Ich glaube das hat Konsequenzen: Einerseits müssen Organisationen über die Verteilung von Verantwortung nachdenken. Ein bestandenes AC darf keine Bedingung sein um Verantwortung zu übernehmen. In gut funktionierenden Organisationen muss jeder Verantwortung für seinen Verantwortungsbereich UND auch für das Große Ganze übernehmen. Das muss man auch den Mitarbeitern klar machen. Andererseits müssen Mitarbeiter ein Verantwortungsbewusstsein mitbringen, d.h. es kann sich keiner gegen eine bestimmte Übernahme von Verantwortung wehren. Meine Vorhersage ist, dass sich die Grenzen zwischen Mitarbeitern und dem sogenannten Management immer mehr verschieben werden. Die Hierarchien sind in vielen Organisationen schon deutlich flacher geworden und in Zukunft wird es ein Kastenwesen wie es heute noch unterhalten wird nicht mehr geben. Jeder wird auf seine Art in seiner Rolle zum Verantwortungssystem beitragen in immer mehr flexiblen Rollen. Heute schon sieht man das an der inflationären Rollenerweiterung mit dem Wort „Bindestrich-Manager“. Da managed doch schon jeder auf seine Art mit und hat mehr oder weniger zu sagen. Das wird aus meiner Sicht so weit gehen, dass wir in wechselnden Bezügen unterschiedliche Personen in Lenkungs- und Koordinationsfunktionen haben und immer weniger „Bereichsfürsten“ haben werden. Die heutige Anforderung nach Flexibilität und Geschwindigkeit macht Supermanager mit tausenden von Personen „unter sich“ obsolet und verlangt nach vernetzten sich flexibel anpassenden Strukturen in denen vor allem Selbstverantwortung und eine gute Kooperationsfähigkeit zwischen den mehr oder weniger Verantwortlichen groß geschrieben wird. Auch wenn sich viele schwer tun sich von klar hierarchischen Systemen zu trennen (weil übersichtlicher und die Kontrolle leichter zu fallen scheint was für mich oft eher eine Kontrollillusion ist), so sehe ich das Pendel weg von Hierarchie hin zu vernetzten Organisationen. Ganz ohne Hierarchie scheint es zwar nicht zu gehen, aber die Bedeutung geht zurück. Damit heißt es in Zukunft nicht mehr „Talent or Management“, sondern „Talent AND Management“.

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