Verantwortung für eine ungewisse Zukunft?

Als Unternehmer und als Berater von Unternehmern bin ich häufig mit Strategieentwicklungsprozessen betraut. Und ich nehme bei meinen Kunden wahr, dass sie mit diesem Vorgehen gerne auf der sicheren Seite wären: Wir machen einmal Strategie. Dann haben wir’s wieder für eine Weile geschafft. Beteiligung? Vor allem dann sehr gerne, wenn man es damit nicht alleine gewesen ist, sich für eine Richtung zu entscheiden. Es waren alle dabei und hätten auch gegen eine einzuschlagende Richtung diskutieren können. Wie will man eigentlich Verantwortung für eine ungewisse Zukunft übernehmen? Ich plädiere gegen Zukunftslaboratorien und Innovation Labs… Warum? Das Foto verdeutlicht was ich meine: Ende Dezember 2013 sollte im Olympiapark in München wieder ein Skirennen stattfinden. Die Vorhersage „im Winter hat es Schnee“ hat mal wieder nicht funktioniert. Dafür wurde der See leergepumpt und in Kunstschnee verwandelt, der dort vor sich hin schmolz. In den Medien war von „Enttäuschung“ zu lesen. Einer der Verantwortlichen hatte gar den Satz gesagt: „im letzten Jahr haben wir den Wettkampf gegen die Witterung gewonnen.“ Lesen Sie hier, warum ich finde, dass man nicht noch bessere Vorhersagen braucht um vermeintlich besser planen zu können…

Viel hilft viel. Oder etwa nicht? Das Geschäft mit der Voraussicht boomt. Jedenfalls gibt es zig Marktforschungsunternehmen, die sich mit Meinungsumfragen damit beschäftigen was kommen wird. Ja, das würden wir alle gerne wissen, was kommt. Also gegen das Bedürfnis kann ich nichts sagen. Aber gegen den Trend sich immer noch mehr Vorhersagen geben zu lassen. Was sagt Gartner zu diesem und jenem IT Trend? Ich kann da schon einige Antworten geben: Z.B. wird es so sein, dass wir uns von unserem Privatsekretär (einem privaten digitalen Assistenten) die Zeit verplanen lassen. Er (oder wahlweise Sie) kann Emails beantworten und Termine machen. Und das alles vollautomatisch. Wir müssen dann nur noch auf den Spuren des Assistenten wandeln und das vorgezeichnete Leben nachleben. Uh, das ist gerade mal wieder brandheiss im Internet z.B. auf Youtube zu sehen. Was mir dazu einfällt ist eine Präsentation, die ich meinem Chef „damals“ vor 12 Jahren in der Rolle als Vorstandsassistent auf Powerpoint erstellt hatte. Für einen Vortrag in einem Zukunftskongress. Ja, das war damals schon in. Nur hat zu dem Zeitpunkt keiner geahnt, dass aus einem MP3-Player in Kombination mit einem Telefon eine große Verkaufswelle produziert wurde, so dass wir heute alle das Internet und Emails und Apps in der Hosentasche mit uns tragen. Das iphone und Co. ist aus dem Alltag nicht mehr weg zu denken. Wer keins hat scheint arm dran (ich habe selbst eins). Na und? Apple hat das Ding sicher nicht hundert Jahre lang hinter verborgenen Türen geplant um es genau dann (vor 7 Jahren im Jahr 2006) auf dem Markt zu bringen. Wir planen uns mit unseren Organisationen zu Tode.

Das systemische Prinzip das mir dazu einfällt: Die Landkarte ist nicht die Landschaft.
Ja, es ist sinnvoll innere Strukturen und Angebote auf die Bedürfnisse von Kunden und dem sogenannten Markt abzugleichen. Die Unsicherheit der heutigen Zeit lässt sich aber nicht durch vermehrte Vorhersagekunst abdecken, sondern durch vermehrten Abgleich, also mit Feedbackprozessen und kürzer getakteten Anpassungsreaktionen von Personen und der Organisation. Es geht eben nicht darum einige Jahre bis zur Reorganisation zu warten und ansonsten alles so weit wie möglich einzufrieren. Es geht mehr darum, die Anpassungsleistung kontinuierlich in der Organisation stattfinden zu lassen. Vor Jahrzehnten hatte das Phänomen einen Namen: Lernende Organisation. Ich glaube, wir brauchen mehr denn je lernende Personen und lernende Organisationen, die sich rasch an Marktgegebenheiten anpassen und die die Anpassungsleistung nicht verteufeln. Es lohnt sich dabei immer wieder genau das Terrain mit den Landkarten der Organisation abzugleichen. Dafür muss man dann keine Powerpointgebirge mehr erstellen, sondern die wesentlichen Erkenntnisse rascher transportieren. Wie das geht machen die sozialen Netzwerke vor. Dort verbreiten sich neue Informationen rasend schnell zwischen Menschen, die sich gegenseitig informiert halten. Ich glaube wir können auch da viel von der sogenannten jungen Generation lernen. Sicher will ich nicht einen Großteil meines Berufs- und auch Privatlebens bei Facebook verbringen. Ich habe auch in der realen Welt genug echte Freunde. Aber darum geht es nicht. Es geht um die Nutzung der Vernetzung der Welt um die eigene Weltsicht rascher anzupassen als bisher.

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Kommentare (0)

  • Lieber Markus,

    ja, so ist es. „Man kann die Zukunft nicht vorhersagen.“ Mit diesem Slogan wirbt auch BMW in seinen Recruiting-Anzeigen. Sie ergänzen noch: „Aber entwickeln.“
    Neben Feedbackprozessen und kürzer getakteten Anpassungsreaktionen ist ein weiterer Erfolgsfaktor die menschliche Imaginationsfähigkeit. Zukunft gestalten ist im ersten Schritt Zukunft denken. Das ist der USP des Menschen. Das wird uns auch keine künstliche Intelligenz abnehmen.
    Meine Zustimmung zu deinem Plädoyer gegen Zukunftslaboratorien und Innovation Labs, die Trends und Tipping Points vorhersagen wollen. Statt dessen braucht es in lernenden Organisationen Räume in denen flexible Teams mit Herz und Verstand Lösungen denken, die sich noch kaum einer vorstellen kann.

    Viele Grüße
    Thilo

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