system worx Summer School 2013 Teil 2: Persönlichkeit & Kommunikation und eine große Portion Gelassenheit

Es gibt Konzepte, die für Berater in der Beratungsarbeit sehr nützlich sind. Und es gibt Konzepte, die es lohnt, Menschen in Führung und in Verantwortung zu lehren, um sich selbst und andere verantwortungsbewusst zu führen. Deshalb war es mir am zweiten Tag der Summer School 2013 wichtig, ein Konzeptgebilde sowohl von der theoretischen Seite zu beleuchten, als auch Teile der dazu passenden Didaktiken zu teilen, die helfen die Konzepte für andere greif- und anwendbar zu machen. Es handelt sich um eines der beiden populären Konzepte, das Kommunikation mit der Persönlichkeit der Kommunizierenden verbindet: Die Arbeit rund um die Kommunikationsmuster von Virginia Satir. Verglichen mit dem zweiten wesentlichen Konzept, der Transaktionsanalyse nach Eric Berne, ist die Arbeit von Virginia Satir auch für nicht-Fachleute relativ rasch anwendbar  und ist in der gebotenen Komplexität gut überschaubar. Auch wenn ich selbst in der Tradition der Systemischen Transaktionsanalyse durch Bernd Schmid ausgebildet bin, so kann ich den Konzepten von Virginia Satir viel abgewinnen und setze sie nun seit einigen Jahren insbesondere in der internationalen Führungskräfteentwicklung mit Erfolg ein. Hier ein kleiner Einblick…

Wie in der TA (Transaktionsanalyse) auch beruhen die Erkenntnisse und Modelle von Virginia Satir auf sogenannten „Transaktionen“: Das sind kommunikative Abläufe, in denen  die Vorstellung herrscht, dass die Beteiligten in einer Art Wechselwirkung zueinander stehen. Jede Trans-aktion ist dabei eine Art Übergang vom einen Kommunikator zum anderen und wird nicht nur in der Art und Weise der Kommunikation bestimmt, sondern in erster Linie durch denjenigen selbst, der kommuniziert. Wer schon an Kommunikationsseminaren teilgenommen hat, der hat oftmals gelernt, wie man gut kommuniziert um verstanden zu werden, um sich durchzusetzen oder um andere Ziele zu erreichen. Ein im deutschen Sprachraum dafür weit verbreitetes Konzept stammt von Schulz von Thun: „Die vier Ohren einer Nachricht“. Solche Konzepte befassen sich mit dem Vorgang der Kommunikation und sind auf jeden Fall auch nützlich und anwendbar, lassen aber denjenigen der kommuniziert außen vor.

Anders das Modell von Virginia Satir. Das wesentliche Element, das nach ihren Beobachtungen die Kommunikation von Menschen deutlich beeinflusst ist der Selbstwert. Menschen mit niedrigem Selbstwert tendieren demnach häufiger dazu in sogenannten Stressmustern zu kommunizieren. Sie benennt für grundlegende Stressmuster: „Blaming“ (die Schuld zuweisen), „Placating“ (es einem anderen recht machen), „Computing“ (Zahlen, Daten, Fakten) und „Distracting“ (ablenken). Diese Stressmuster haben auch positive Seiten und niemand findet sich in nur einem Muster wieder. Theoretisch sollen alle Muster in jedem Menschen verfügbar sein. Das Ziel von Beratung oder Therapie ist es nach Virginia Satir, dass die Stressmuster nicht mehr automatisch ablaufen, sondern Menschen immer mehr Selbstkontrolle aufbringen und ihre Kommunikation zu anderen bewusst gestalten. An der Stelle ist es noch einmal wichtig zu erwähnen, dass die Tendenz sich in einem Stressmuster zu bedienen von dem Grad des Selbstwertes abhängt. Virginia Satir hat diesen Selbstwert als „Pot of Selfesteem“ in eine Metapher verkleidet. Der Selbstwerttopf wird gefüllt durch bestimmte Sachverhalte und Verhalten von anderen und der Person selbst. Genau so wird der Topf auch geleert. Im Alltag resultiert dann ein bestimmter Füllstand. Die Kunst besteht darin selbst dafür zu sorgen, dass der „innere Füllstand“ des eigenen Selbstwertes möglichst hoch ist. Demnach gibt es z.B. in einer Führungsrolle auch zwei grundlegende Arten mit anderen Menschen umzugehen, die in einem Stressmuster kommunizieren: 1. Sie können direkt im Sinne des Musters kommunizieren und dahinter liegende Bedürfnisse erkennen und zufrieden stellen oder sie können 2. den inneren Füllstand der Personen im Sinne des Selbstwertes versuchen positiv zu beeinflussen. Das eine wirkt sofort, das andere eher mittel- und langfristig. Viele meiner Führungsteilnehmer begreifen sofort, dass es Themen gibt, die ihnen in ihrer Selbststeuerung sehr helfen und verstehen auch besser, wie sie mit anderen hilfreicher interagieren können. Doch Achtung: Es gibt Wirkungen und Nebenwirkungen bei diesem Konzept: Wer wenig Selbstwert verspürt wird in der Regel diese Selbsterkenntnis ganz bewusst erleben. Darauf sollte sich jeder, der diese Konzepte nutzt, einstellen und entsprechende Beratungszeit zur Verfügung stellen können.
Wer sich mehr mit diesen grundlegenden Konzepten auseinandersetzen möchte kann dies hier tun:


Peoplemaking (Condor Books)

Das englischsprachige Originalbuch nannte sich „peoplemaking“ und ist in der Zwischenzeit nur noch antiquarisch z.B. bei Amazon erhältlich und stammt aus dem Jahre 1972. Es gibt ein Folgebuch, das deutlich tiefer geht als das erste Buch mit dem Titel „the new peoplemaking“.

New Peoplemaking

Viele Folgekonzepte stammen von Virginia Satir selbst. Für mich stellt dieses Buch nicht nur die Weiterentwicklung dar, sondern zeigt auch, wie sich die Autorin über die Zeit weiterentwickelt hat und den Teil finde ich natürlich auch interessant, denn wir entwickeln uns alle weiter. Es könnte einem in den Sinn kommen daran Maß zu nehmen.

Selbstwert und Kommunikation. Familientherapie für Berater und zur Selbsthilfe (Leben Lernen 18)
Auf Deutsch ist ebenfalls eine Übersetzung erschienen: „Selbstwert und Kommunikation. Familientherapie Für Berater und Selbsthilfe“. Weder der Titel noch die Farbe des Einbandes sollten alle Interessierten abhalten dieses Buch zu lesen. Für mich ist das ein Klassiker, der einfach ein Muss ist für jeden der sich für Beratung von Menschen interessiert.

Ich bin noch die Beschreibung der zweiten Tageshälfte unserer Summerschool schuldig. Nun, ich finde, das ist schwer mit Worten zu beschreiben. Ich war zunächst sehr erstaunt wie das was uns Thilo Leipoldt geboten hatte zum ersten Teil des Tages passte: Besser hätte man nicht mit dem eigenen Selbstwerttopf umgehen können. Interessant ist sein Ansatz: Es ging um reines Erleben. Auf jeden Fall gibt es eine Möglichkeit wie jeder in kurzer Zeit (wir sprechen von 4 Stunden) einen Zugang zur eigenen Gelassenheit findet, auch wenn das alles mit Worten schwer zu beschreiben ist…

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