Agile OE: Wie man die Veränderungsgeschwindigkeit in Organisationen deutlich steigern kann…

Organisationen ringen heute damit, dass geplante, erdachte Veränderungen überhaupt erfolgreich umgesetzt werden. Einschlägige Studien kommen zu dem Ergebnis, dass nur 30-50% aller Veränderungsprojekte erfolgreich sind. Manchmal scheitern diese Projekte, weil sie viel zu langsam ablaufen. Dabei könnte die durchdachte Anwendung agiler Prinzipien einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil bringen.

Die Branche der Softwareentwicklung wurde dadurch revolutioniert. Wo klassische Projektplanungsmethoden aufgrund von „moving targets“ und hoher Komplexität versagten, werden schon seit einiger Zeit klare Erfolge erzielt durch die Anwendung agiler Prinzipien. Die „Erfinder“ dieser Vorgehensweisen haben sich deutlich an systemischen Vorgehensweisen angelehnt und ein starkes Prinzip vor alle anderen gestellt: Den klaren, eindeutigen Kundennutzen als Maßstab allen Handelns. Für Menschen im Vertrieb ist dieses Prinzip nicht unbedingt neu, aber stellt man die Frage vor allem in größeren Organisationen: „Wer bezahlt euer Gehalt?“. Dann bekommt man höchstens argwöhnische Blicke weil der Verdacht aufkeimt, das sei eine Fangfrage. Hinter vorgehaltener Hand gibt es dann oft die Antwort: „Das Unternehmen.“ Und das ist dann auch schon ziemlich entlarvend. Durch die Entkoppelung von Gehalt in monatlichen Scheiben und der Rückmeldung durch Kunden oder Markt könnte man leicht auf diesen Trugschluss kommen. Übrigens ist das auch der Grund warum Kostensparprogramme ohne gleichzeitigen Kundenfokus nach meiner Erfahrung scheitern.

Zurück zur Agilität. Viele Unternehmen leisten sich interne Beratungseinheiten, die dann als sogenannte „Change Manager“ oder „Change Agents“ dafür sorgen sollen, dass von oben beschlossene Veränderungsvorhaben möglichst ohne große Widerstände umgesetzt werden. Ein wesentlicher Designfehler ist der, dass diejenigen die sich die Veränderungen ausgedacht haben an der Umsetzung nicht beteiligt sind. Noch schlimmer ist es, wenn externe Berater solche Veränderungskonzepte auf dem Papier erstellen und auch nicht in die Umsetzung gehen müssen. Da gehen dann mindestens 50% der Ideen in Rauch auf. Umso wichtiger ist es, eine Veränderungsstrategie in der Organisation zu etablieren, die möglichst rasch Mögliches von Unmöglichem trennt und das Mögliche konsequent umsetzt. Aus meiner Sicht ist der agile Ansatz in der Organisationsentwicklung geradezu prädestiniert dazu. Er ergänzt das Konzept von einer beispielhaften Umsetzung einzelner Aktivitäten in der Organisation (fragmentarisches Prinzip) nahtlos um einen Geschwindigkeits-steigernden Aspekt. Ein wesentliches Prinzip dabei würden wir Systemiker „systemische Schleife“ nennen. Im agilen Ansatz heißt dieses Verfahren „Sprint“. In der Urform wird ein Team für 30 Tage quasi von der Organisation separiert und beauftragt vorher vereinbarte Ziele zu erreichen. In dieser Zeit wird jegliche Kommunikation von einer Person außerhalb des Teams in die Organisation und zum Kunden hin gesteuert. Veränderte Zielsetzungen greifen erst nach Ablauf der 30 Tage und werden immer an konkreten Ergebnissen des Teams diskutiert. So lösen sich ca. 1/3 aller in der Zwischenzeit neu entstandenen Ansprüche durch die Diskussion an pilotierten Endergebnissen einfach auf, während sie früher die Arbeit des Teams ausgebremst hätten. Für mich ein faszinierender Effekt, der darauf beruht, dass quasi eine Pseudolinearität im Vorgehen geschaffen wird. Dadurch entsteht deutlich mehr Geschwindigkeit, deutlich weniger Frust im Projektteam und im Endeffekt ein verstärkter Kundennutzen. Alles was man braucht ist eine deutliche Kulturveränderung zu Gunsten der Umsetzungsarbeit der Teams und zu Lasten von sich täglich verändernden Ansprüchen in der Organisation.

Mehr über den agilen Ansatz in der Organisationsentwicklung können Sie in einem kompakten Seminar in unserem Institut lernen. Wir haben alle Prinzipien anwendbar in einer Toolbox zusammengefasst, die genau so Bestandteil des Seminars ist, wie die Zugehörigkeit zu einer Community aller ehemaligen Teilnehmer dieser Kurzausbildung. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite: http://www.system-worx.de/institut/seminare/change-the-change.html

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