Fundsache Selbstvertrauen

Das Foto der Woche erinnert mich an folgendes: Im Laufe meines Berufslebens habe ich schon so manche Ansammlung von effektiven inneren Hürden gesehen. Und weil auch ich nur ein Mensch bin, habe ich sicher meine eigene Expertise darin, mir selbst ein Bein zu stellen. Zum Glück geht es im Coaching nicht um mich, sondern um den anderen. Von meinen Klienten lerne ich immer wieder, wie sie sich aus ihren Tälern herausarbeiten. Dabei sind innere Hürden nicht das Schlimmste was man so mit sich tragen kann. Es sind die inneren Krücken.

„Ja, ich lege mich auf keinen Fall fest, dann liege ich immer richtig.“

„Ja, ich mache noch ein bisschen weiter, so lange sie mich dafür gut bezahlen.“

„Nein, ich will meine Arbeitszeit nicht reduzieren, dann wäre meine Aufgabe nicht so wichtig.“

„Ach, hätte ich doch nur einen Studienabschluss in Psychologie, aber so als BWLer kann man ja nur ein bisschen von allem und nichts perfekt – schon gar nicht Personalentwicklung.“

„Ich würde ja gerne besser kommunizieren, aber die anderen tun es doch auch nicht.“

Und so humpeln sie mit ihren inneren Krücken auf dem steinigen Weg der Selbsterkenntnis, bis es richtig weh tut. Mancher meiner Klienten war dann richtig mutig und hat einfach mal losgelassen. Und ohne Krücken sind die ersten Meter wirklich verdammt schwierig. Einer berichtete erst neulich davon wie es ist, direkt auf seine Mitarbeiter zuzugehen ohne Vorbehalte, einfach direkt ohne Umwege. Und von den Unsicherheiten, die das in ihm ausgelöst hatte, bis er merkte: Er kann das tun. Es geht. Er geht. Ein anderer hat sich erlaubt seine Ambitionen und sein Wollen klar und deutlich zu äußern. Und es ist eine Befreiung ohne innere Krücke durch die Welt zu gehen. Letztenendes kann das sogar Beziehungen zu anderen stärken.

Von meiner Tochter (heute ist sie fast zwei Jahre alt) lerne ich zur Zeit immer wieder eines – ja, im Kinderturnen: Sie hat weniger Selbstvertrauen, je mehr ich ihr versuche zu helfen und zu stabilisieren. Es spricht nichts dagegen da zu sein im Falle eines Falles. So lange sie selber geht. Begleiten ja, etwas abnehmen nein (so lange sie es lernen soll). Und schon sind wir wieder bei der systemischen Beratung.

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Kommentare (0)

  • Das ist ein schönes Bild mit den (inneren) Krücken, danke für diese Metapher. Krücken sind ja auch dafür da, das Auftreten abzufedern und das Gehen nur „anzutäuschen“ – medizinisch sinnvoll, um sich fortbewegen zu können, wenn auch langsam. Aber mit Krücken kann man keine eigenen Fußstapfen hinterlassen, das wäre schade für das eigene(Arbeits-)Leben.

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