Buchempfehlung: Drive – was sie wirklich motiviert


Motivation ist eines der wichtigsten Themen der Menschheitsgeschichte: Was bringt mich dazu, morgens freudig aufzustehen? Was fesselt mich so sehr, dass mir gar nicht auffällt, wie die Zeit vergeht? Welche Tätigkeiten fühlen sich gar nicht an wie Arbeit? Worin bin ich richtig gut und habe Lust noch besser zu werden?

Drive: Was Sie wirklich motiviert

Die Antworten auf solche Fragen deuten auf einen Zustand höchster Motivation hin. Das ist persönlich sehr erstrebenswert und auch die Führungskräfte in Organisationen interessieren sich stark dafür. Leider stimmen die gelebten Antworten in den Unternehmen weltweit nicht mit dem aktuellen Stand des Wissens über Motivation überein.

Warum Sie dieses Buch lesen sollten wenn Sie Führungskraft, Berater, Eltern oder interessiert an Selbstmotivation sind, lesen Sie in diesem Blogartikel. Am Ende finden Sie eine Zusammenfassung des Buches als Mindmap.

Warum Sie dieses Buch lesen sollten:

Es erläutert im ersten Teil in einer klar verständlichen Sprache den Stand der Wissenschaft in Sachen Motivation. Das ist der Teil von dem ich mir wünschte, ich hätte ihn geschrieben, denn ich finde, dass es in diesem Jahrtausend darum geht, nicht noch mehr und noch filigraneres Wissen anzuhäufen, sondern genau dieses Wissen das wir heute schon haben in Anwendung zu bringen. Davon handelt Kapitel eins. Der Autor Daniel Pink ist ein amerikanischer Wissenschaftsjournalist und hat eine Zeit lang Reden für Al Gore geschrieben. Er ist also ein Meister darin, gut recherchierte Fakten verdau- und verstehbar in Sprache zu fassen. Das hat er überwiegend getan. Er verwendet dabei zur Erklärung der Motivation die Metapher eines Computer-Betriebssystems das sich seit der Steinzeit bis heute in uns weiterentwickelt hat. Die Botschaft ist: Wir sind innerlich viel weiter entwickelt als wir mit uns und anderen umgehen: Ein Update ist nötig.

Motivation 1.0 ist dabei ziemlich urzeitlich: Es geht ums Überleben, also um Essen, Trinken, Sex. Das sind dann auch gleichzeitig die Motivatoren. Dass dies heute noch manchmal motiviert sieht man an Vorkommnissen in der Versicherungsbranche 😉

Motivation 2.0 ist da schon fortgeschritten: Es geht um Zuckerbrot und Peitsche, neutraler ausgedrückt: Belohnung und Bestrafung. Dass diese Denkweise heute immer noch ziemlich vorherrschend ist zeigt ein Blick auf die Gehaltssysteme unserer Organisationen sehr deutlich. Und in vielen Führungstrainings werden Führungskräfte dazu trainiert, andere perfekt in ihrem Verhalten steuern zu wollen. Es geht dann um Führung als „Ziehung“ oder Dressur.

Motivation 3.0 steht dann stellvertretend für intrinsische Motivation also alle die Aktivitäten, die jemand aus eigenem Antrieb macht. Die Beschreibungen und Beispiele drehen sich dann auch rund um Motivation 3.0. Dan Pink bedient sich dabei einer Reminiszenz an Douglas Murray McGregor und seiner in den 1960er Jahren postulierten Theorie X und Theorie Y. Pink entwickelt aus dem entsprechenden Menschentyp X und Y den Typ I (I für Intrinsisch Motiviert).

Bis zu diesem Zeitpunkt finde ich das Buch gut lesbar und gerade für Menschen, die sich praktisch mit dem Thema Motivation beschäftigen wollen sehr gut nachvollziehbar. Der Typ I ist ein zentrales Element des Buches. Dan Pink beschreibt das was Menschen aus seiner Sicht seelisch motiviert:

1. Selbstbestimmung

2. Perfektionierung

3. Sinnerfüllung

Und leider werden seine Ausführungen an dieser Stelle leider sehr dünn. Man merkt, dass er auch wissenschaftlich auf dünnem Eis steht. Die Inhalte und Hypothesen, die er aufstellt sind aus meiner Sicht gut und hilfreich, die Untermauerung geht über die Arbeiten zu Flow von Mihaly Csikszentmihalyi nicht hinaus. Auch wird für mich als Leser an dieser Stelle besonders deutlich, dass es ein Buch amerikanischer Herkunft ist. Die Übersetzung orientiert sich am amerikanischen Sprachgebrauch der Superlativen. So wird aus meiner Sicht der Begriff der „Perfektionierung“ durch die Wortwahl deutlich stärker leistungsorientiert im Sinne der Motivation 2.0 verstanden. Eine bessere Übersetzung wäre aus meiner Sicht der Begriff „Hingabe“ oder „kontinuierliche Übung“. Möglicherweise wurde auch der Begriff gewählt, weil er in Managementkreisen anschlussfähiger ist. Es ist leichter verdaubar, wenn ein Mitarbeiter seine Fähigkeiten perfektionieren will als wenn er sich einer Aufgabe hingibt. Und wenn er dann auch noch üben muss, dann klingt das so, als wollte er etwas tun kann es aber nicht. Die Wortwahl an sich ist aber kein Grund, das Buch nicht zu lesen. Ich denke, dass die Botschaften ankommen und man die Chance zum nachdenken bekommt. Immerhin kann es schaden sich beim Lesen seine eigenen Gedanken zu machen, oder?

Das letzte Kapitel ist dann ein ganz praktisches. Es werden Werkzeuge beschrieben um Typ I – Verhalten zu fördern. Als praktische Antworten auf die Frage: Wie stehe ich der inneren Motivation mir selbst, meiner Mitarbeiter, meiner Kinder nicht im Weg. Welche Bücher gibt es noch zu diesem Thema, wer sind andere Denker, die sich mit dem Thema beschäftigt haben und wie sieht ein Typ-I Fitnessplan aus. Besonders schön finde ich die mehrfachen Zusammenfassungen am Ende des Buches: Für Twitter (140 Zeichen), für eine Cocktailparty (zwei Absätze) und für diejenigen die sich an die Inhalte erinnern möchten ohne das ganze Buch erneut zu lesen. Was für ein Service. Abgerundet wird es durch eine wunderbare Quellensammlung. Auf diese Weise wird deutlich, wo Pink recherchiert hat und das ist für mich auch eine wahre Fundgrube.

Mein Fazit:

+ Ein lesenswertes Buch über das was wirklich motiviert

+ Das Konstrukt Motivation 1.0 zu 2.0 und 3.0

+ Praktisch anwendbare Werkzeuge

– Übersetzung aus dem amerikanisch-Englischen u.U. für deutsche Gemüter nicht ganz verständlich

– Typ I als „Weiterentwicklung“ von Mc Gregor’s Theory X und Y finde ich grenzwertig. Mc Gregors Typ Y gibt das eigentlich schon ganz gut wieder, dafür muss man nicht den Typ I erfinden.

Macht aber nichts. Viele Autoren erfinden manchmal das Rad neu um es als ihr eigenes zu verkaufen. Wenn man davon einmal absieht ist das was zum Typ I geschrieben ist sicherlich nicht falsch

– Inhalte zu Selbstbestimmung, Perfektionierung und insbesondere zu Sinnerfüllung zu dünn. Vielleicht hätte sich Daniel Pink besser mal mit Bernd Schmid unterhalten…

Hier der Link zum Buch:

Drive: Was Sie wirklich motiviert

110602 Zusammenfassung Drive – Was sie wirklich motiviert

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