Buchrezension: Eine Gebrauchsanleitung für das Gehirn

Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft

(Gebundene Ausgabe) von Bas Kast. – 3. Auflage – 224 Seiten – ISBN 978-3100383020 – 17,90 EUR

Bas Kast hat es in diesem Buch geschafft, wissenschaftliche Erkenntnisse der Psychologie und Neurowissenschaften zu einer spannenden Beschreibung zu verweben. Er beginnt seine Geschichte mit der Erzählung eines Selbstexperiments: Dem kurzfristigen Ausschalten des Verstandes durch eine 30-minütige Magnetstimulation des Frontalhirns im Labor von Professor Alan Snyder in Sydney…

…und beendet diese Geschichte erst im letzten Kapitel seines Buches. Diesen Spannungsbogen muss er auf über 200 Seiten aufrechterhalten, was ihm bei mir zumindest gut gelungen ist. Irgendwie hat Bas Kast meine Psychologenseele berührt: Ich erinnere mich gut an mein Studium, in dem wir wochenlang Studien aneinanderreihen und auswendig lernen mussten, damit wir das Gelernte dann in Prüfungen von uns geben sollten. Das Lernen wäre uns wohl leichter gefallen, hätten unsere Professoren es geschafft, die ganzen Erkenntnisse auf ähnliche Art und Weise in Bezug zu setzen. Doch man muss kein Psychologe sein, um zu verstehen, was Kast schreibt.

Hier einige Hypothesen die in dem Buch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Studien untermauert werden:

1. In jedem von uns steckt ein kleines Genie, das durch den Verstand aktiv unterdrückt wird.

2. Sprache und abstrakte Konzepte verhindern den Zugang zu unseren Fähigkeiten

3. Die Annahme, dass irrationale Kräfte zweitrangig bzw. minderwertig sind, haben in unserem Kulturkreis dazu geführt, dass Sprache und Ratio an die Spitze des Ichs gesetzt wurden. Sie gelten als „Denkfehler“ und müssen ausgemerzt werden

4. Wer rational leistungsfähig sein will, braucht Emotionen

5. Die Ratio ist dazu da um neue Ideen und Gedanken zu prüfen (Einstein). Die Ideen selbst kommen aber aus dem Unbewussten.

6. Wie der ausschließliche Fokus auf das Rationale Menschen von der Antike bis heute in ihrer Potenzialnutzung begrenzt.

7. Emotionen als „Equalizer“ im Kopf, der unsere Gedanken entscheidend verändert.

8. Allzu viele Analysen trüben das Urteil

9. Der bewusste Verstand schafft nur maximal 50 bits / Sekunde (vgl. allein die Augen liefern 10.000.000 bits / Sekunde). D.h. der bewusste Verstand ist stark fokussiert und genau dort sehr präzise – aber mehr auch nicht

10. „Eine Nacht drüber schlafen hilft auch dem Unbewussten“ – es ist wichtig dem Unbewussten Zeit zu lassen, dann werden die Entscheidungen besser

11. Auf dem Weg zum Experten gibt es 4 Strategien:
– Statt Profi zu werden, sich an einen Profi wenden
– Eine Marke wählen, die einen guten Ruf hat
– Das wählen, was viele wählen
– Persönliche Empfehlungen von Bekannten einholen

12. Das Unbewusste komprimiert Informationen zu Intuition

13. Es gibt verschiedene ICHs die verschieden tief verankert sind
– Sprach-Ich (rational, eloquent)
– Erfahrungs-Ich (Gefühle, Körper, Verhalten – „es sagt nicht Ich, es tut Ich“)

Hier gibt es wirklich sehr lesenswerte Kapitel, die sich mit den Unterschieden zwischen Sprach-Ich und Erfahrungs-Ich beschäftigen. Es wird auch beschrieben was passiert, wenn man sich chronisch mit seinem Sprach-Ich über die Bedürfnisse des Erfahrungs-Ich hinwegsetzt.

14. Probleme sind nicht dazu da um sie einfach nur mit dem Verstand zu lösen. Man muss sich in sie hineinleben

Am Ende des Buches wird nun endlich verraten, wie der Selbstversuch endete. Zumindest konnte Bas Kast das Buch veröffentlichen, er hat also anscheinend überlebt. Aber was er da erlebt hat, wird an dieser Stelle nicht verraten – es ist einfach lesenswert.

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